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Stand: 14.1.2012, 11:56

Linux-Tage 2011 - Ein Resümé

OpenStreetMap, Wikipedia, Debian, Kubuntu, mein Netbook läuft nun mit EasyPeasy, und dann war da noch dieses Kinect. Die Linux-Tage sind vorbei und hinterlassen einen tiefen Einschnitt in dem Selbstverständnis eines Windows-Nutzers.

Ich habe ein bisschen gebraucht um in das Umfeld eintauchen zu können. Wenn man wie ich im Job nur PHP programmiert und nur am Rande mit Linux auf dem Server zu tun hat, dann ist man schon überwältigt von all den gezeigten Möglichkeiten im Opensource-Umfeld. Nicht das ich noch nie bei den Linux-Tagen gewesen wäre, aber doch … ja doch … nach zwei Tagen bin ich wieder ein wenig mehr open source im Kopf. Sehen wir mal was die Tage so an Eindrücken hängen geblieben ist.

Google und Opensource

Ich habe heute folgendes in einen Buch in der Bücherecke gelesen: „Google hat mehr für die Demokratisierung des Wissens getan, als jede Universität oder Staat bisher, man muss ihnen nur immer mal auf die Finger klopfen.“. Dem kann ich mich nur anschließen.

Googles Projekt Summer of Code gibt Studenten die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der geförderten (= von Google bezahlten) Opensource-Entwicklung zu machen. „Flip bits, not burgers“ ist das Motto. Ein Student bearbeitet ein Thema unter Anleitung eines Mentors und bekommt dafür Geld. 500 $ wenn er für SoC akzeptiert wurde, 2450 $ Hälfte der Projektlaufzeit unter der Voraussetzung der Mentor sieht den Fortschritt und 2450 $ zu Ende des Projekts. Der Mentor (meist eine OS-Firma) bekommt 500 $ Aufwandsentschädigung bei erfolgreichen Abschluss eines Projekts.

Wenn man bedenkt das Google ständig fähige Mitarbeiter sucht, dann dies eine äußerst clevere Möglichkeit begabte junge Menschen zu akquirieren. Mutmaßlich muss der Kandidat dann nur noch 10 statt der üblichen >30 Bewerbungsgespräche mit den verschiedenen Abteilungen führen und bestehen. Aber das ist nur eine Vermutung.

Manche mögen sich wundern, wenn man so die Projektliste von SoC liest, dass z.B. kein Opensource-Musikprogramm oder ähnliche Offline-Programme dabei sind. Es wurde aber deutlich gemacht, dass man schon mit bedacht die Web-affinen Projekte fördert. Schließlich soll ja ein Nutzen für Google daraus hervorgehen.

Insgesamt war ich schon beeindruckt, meinen ersten echten Google Mitarbeiter live erleben zu dürfen. Auf seinem T-Shirt stand „I have root @ Google“, was wohl sehr ernst gemeint ist. Interessant war zu beobachten wie überzeugt er von seinem Arbeitgeber ist (klar..), was sich auch darin äußerte dass er im „wir“ Stil sprach. Durch den Genuß von „Die Google-Falle“ als Hörbuch war ich nicht überrascht quasi keine Fakten erzählt zu bekommen (Anzahl Server, woher stammen die Bilder, Details zu künftigen Entwicklungen..). Auch stimmten die Äußerungen mit der allgemeinen Marketing-Erwartungshaltung überein. Ein waschechter Googlianer im Außeneinsatz halt. Ob er auch seine Zahnbürste auf der Firmentoilette stehen hat?

Links:

Netbook: - Windows 7, + Easy Peasy (Ubuntu)

Inspiriert von einem Gespräch mit Frank G. hab ich dann doch mein lieb gewonnenes und ohne Probleme laufendes Windows 7 auf meinem Netbook beerdigt und EasyPeasy installiert. Das ist ein für Netbooks optimiertes, Ubuntu basiertes Linux ohne viel Schnörkel.

So einfach kann das sein:

  1. via Unetbootin EasyPeasy auf einem USB-Stick installiert
  2. Gebootet
  3. EasyPeasy aus sich selbst heraus installiert und
  4. dabei die Festplatte manuell partitioniert
  5. neu gestartet.

Hardware. Ich bin ehrlich überrascht wie absolut problemlos sich mittlerweile ein Linux installieren lässt. Auch das auf meinen Netbook Samsung NC10 bislang absolut Null Treiberprobleme aufgetreten sind.. meinen Tiefen Respekt davor. So langsam erreicht es Mac-Niveau (Hören-Sagen!): „Stöpsel etwas ein und es geht. Du bekommst kein Feedback vom System weil es nicht nötig ist. Es funktioniert einfach, also benutz es.“

Unzählig sind die witzigen und informativen Tools out-of-the-box wie z.B. die Batterieanzeige, die sogar einen Graphen über Lade und Entladezyklen zeigt.

Software. Ich frage mich grad ernsthaft, warum es Windows bis heute nicht schafft einen vernünftigen „App Store“ auf die Beine zu stellen. Warum klappt das unter Ubuntu („Software-Center“) so toll? Ich wähle mir aus aktuell >30.000 Paketen welche aus und klicke einfach auf „Installieren“. Was noch fehlt sind Nutzerbewertungen, Download-Statistiken, Kommentare und Release-Zyklen. Denn damit kann man auch als Neuling oder Wiedereinsteiger schnell erkennen, was sich „lohnt“.

Links:

Openstreetmap

Der Vortrag hatte Workshop-Charakter. Gezeigt wurde wie man mittels JOSM einen GPS-Track aufbereitet und veröffentlicht. Der Track lag dabei als GPX-Datei von einem Garmin-Gerät vor und wurde mit geocodierten Fotos garniert. Amüsant erklärt wurden die POI-Anlage, u.a. eine Parkbank (Anzahl Sitzplätze, Material, mit/ohne Armlehne... WTF?), ein Feldweg (Wegbreite, Bodenbelag..) und Gebäude mittels überlagerter Bing-Luftbild-Karte qualfiziert wurden. Nach dem Upload konnte dann per Aktivierung des „Data-Layers“ gezeigt werden, dass tatsächlich der Weg schon im Datenbestand vorhanden war, aber noch nicht gerendert wurde.

Mir hat der Vortrag vor allem gezeigt, wie imens viel Arbeit hinter den sehr detaillierten Karten sich verbirgt.

Hier noch ein paar interessante Links:

Unbekannte Unixtools

Als Teilzeit-Linuxer mit Vorkenntnissen wurde ich vorgewarnt, dass der Vortrag voriges Jahr nicht viel neues bot. Doch weit gefehlt. In den 90 Minuten wurde in einer Dichte nette farbige Tools angerissen und live vorgeführt, dass es einem im Kopf schwirrt. Dank Netbook – nun auf Ubuntu-Basis – konnte ich das auch gleich Live austesten. Dank apt-get ist ja die Installation total problemlos. Flux sind all die niedlichen farbigen Helferlein installiert und ausprobiert.

Themen waren:

  • Mehrere Dateien umbenennen mit mmv, prename, detox, convmv, deurlname, qmv
  • Verzeichnisgrößen bestimmen und sortieren mit df, mount, du, ncdu
  • Varianten von tail farbig: inotail, since, multitail, colortail, watch + loco, ccze
  • Prozessbrowser htop
  • Kalender mit cal, ccal
  • farbige Diff-Tools: colordiff, sdiff, grep, egrep
  • Kills mit slay, pkill
  • Passwort-Generierung mit makepass, agp, gpw, pwgen,
  • Mailserver testen mit swaks
  • Ping auf Drogen mit fping, mtr, netselect
  • WebDAV-Tools cadaver
  • paralleles SSH mit parallel-ssh
  • WLAN-Connection mit wicd-curses

Ganz schön viel für 90 Minuten, oder?
Nachzulesen auch auf noone.org/talks/useful-tools

Was gab es sonst noch?

openPOWERLINK. Ich habe mir noch den Opensource-Stack openPOWERLINK - ein Industriemaschinen-Kommunikationsprotokoll - erklären lassen. Dabei hatte ich aber als PHP-Web-Programmierer einige Problem die Problemlage zu erfassen. Warum bitteschön ist ein Relais und der Microcontroller mit normalen Cat5-Netzwerkkabel verbunden. Und warum ist das toll? Nunja, das erklärt lieber jemand der sich damit auskennt...

Kinect. Beim Stand der Wikipedianer musste ich stehenbleiben, weil in einem Monitor meiner (also ich) grün auf schwarzen Grund zu sehen war - in Echtzeit. Strecke ich die Hand zum Bildschirm wurde sie stufenweise rot gefärbt. Also lag eine 3D-Information vor. Was war das? Klar, Kinect am Linux! Sogar einen Ich-steh-Mitten-Im-Raum-Und-Bin-Drehbar-Modus (auch "vollständiges Tiefenbild" genannt) unterstützte das Programm. Microsoft: Danke für die offizielle Freigabe der Treiber! (siehe auch Artikel auf pro-linux.de)

Fazit

Netbook nett gemacht, viel gelernt, hoffentlich anständig reflektiert, platt bin. Nächstes Jahr gerne wieder! Danke an allen Beteiligten der Veranstaltung: Chemnitzer Linux-Tage 2011

Danke fürs Weitersagen!


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